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Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software "Es ist das gute Recht, dass bei unfreier Software der Hersteller das
Monopol besitzen darf, das eigene Produkt vor Manipulation zu schützen. [...] Es kann nicht das Ziel sein, unfreie Software komplett abzuschaffen, indem man politisch darauf Druck ausübt." In unseren Wahlprüfsteinen für die Saarland Wahl https://fsfe.org/news/2012/news-20120322-01.de.html erfahrt ihr, welche Partei das gesagt hat. Ich denke ihr werdet genauso verwundert sein wie ich es war Viele Grüße Matthias -- Matthias Kirschner - FSFE - Deutschland- und Fellowshipkoordinator FSFE, Linienstr. 141, 10115 Berlin, t +49-30-27595290 +49-1577-1780003 Ist Ihnen Freie Software wichtig? Treten Sie heute bei! (fsfe.org/join) Weblog (blogs.fsfe.org/mk) - Kontakt (fsfe.org/about/kirschner) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareHallo.
Am 22.03.2012 07:49, schrieb Matthias Kirschner: > "Es ist das gute Recht, dass bei unfreier Software der Hersteller das > Monopol besitzen darf, das eigene Produkt vor Manipulation zu > schützen. [...] Es kann nicht das Ziel sein, unfreie Software komplett > abzuschaffen, indem man politisch darauf Druck ausübt." > > In unseren Wahlprüfsteinen für die Saarland Wahl > https://fsfe.org/news/2012/news-20120322-01.de.html erfahrt ihr, welche > Partei das gesagt hat. Ich denke ihr werdet genauso verwundert sein wie > ich es war Naja, schon die Wortwahl deutet auf jemanden hin der weiß von was er redet. Wobei ich die Aussage gar nicht so schlimm finde, wenn man sie für sich genommen betrachtet. Natürlich hat ein Hersteller proprietärer Software (genauso wie Hardware) das Recht und die wirtschaftliche Pflicht um sein Produkt ein Monopol aufzubauen (das ist immerhin sein Geschäftsmodell!). Wichtig ist doch nur, dass die Menschen diesen Umstand erkennen und sich dann bewusst gegen Produkte solcher Hersteller entscheiden können. Ganz besonders (und das ist Aufgabe der Politik) sollte bei allem was direkt oder indirekt mit öffentlichen Geldern finanziert wird bewusst mit solchen Umständen, deren Komplikationen und möglichen Folgen umgegangen werden. Es sollte halt nicht sein, dass der Staat einen großen Anteil hat am wirtschaftlichen Erfolg von proprietärer Software. Gruß, Bernd -- Wirst du des Lebens nicht mehr froh, dann stürze dich in H2O! _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareMoin,
Am 22.03.2012 08:34, schrieb Bernd Wurst: > Am 22.03.2012 07:49, schrieb Matthias Kirschner: >> "Es ist das gute Recht, dass bei unfreier Software der Hersteller das >> Monopol besitzen darf, das eigene Produkt vor Manipulation zu >> schützen. [...] Es kann nicht das Ziel sein, unfreie Software komplett >> abzuschaffen, indem man politisch darauf Druck ausübt." >> >> In unseren Wahlprüfsteinen für die Saarland Wahl >> https://fsfe.org/news/2012/news-20120322-01.de.html erfahrt ihr, welche >> Partei das gesagt hat. Ich denke ihr werdet genauso verwundert sein wie >> ich es war > > Naja, schon die Wortwahl deutet auf jemanden hin der weiß von was er redet. > > Wobei ich die Aussage gar nicht so schlimm finde, wenn man sie für sich > genommen betrachtet. Natürlich hat ein Hersteller proprietärer Software > (genauso wie Hardware) das Recht und die wirtschaftliche Pflicht um sein > Produkt ein Monopol aufzubauen (das ist immerhin sein Geschäftsmodell!). Und natürlich darf der Staat nicht hingehen und die Firmen das Recht nehmen. Aber: Habe mir darüber ein paar Gedanken gemacht. wenn man das sagen will, hätte es bessere Worte gegeben. Allein, ich glaube nicht, dass es ein Versehen war. Wenn man sich die Antwort zu 1.b dazu ansieht, schließt sich der Gedanke i.S. einer anderen philosophischer Ausrichtung, als die man sich für freie Software wünschen würde ("Der Markt wird es regeln und wir dürfen da nicht eingreifen" würde ich das mal zusammenfassen). Persönlich enttäuschend finde ich die Antwort zu 3.b. und der Mageninhalt kommt mir bei 4b. Grundlagenschulung oder Produktschulung? "Die Idee klingt gut, sollte aber nicht von einer politischen Partei gesteuert werden. Hier sind eher wieder die Unternehmen gefragt, die kreativ ihr Geschäftsmodell umsetzen möchten." Natürlich sollte das von der Politik vor allem an Schulen gesteuert werden. Gruß Frank _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareHallo Frank.
Am 22.03.2012 09:32, schrieb Frank Lanitz: > Persönlich enttäuschend finde ich die Antwort zu 3.b. und der > Mageninhalt kommt mir bei 4b. Grundlagenschulung oder Produktschulung? > > "Die Idee klingt gut, sollte aber nicht von einer politischen Partei > gesteuert werden. Hier sind eher wieder die Unternehmen gefragt, die > kreativ ihr Geschäftsmodell umsetzen möchten." > > Natürlich sollte das von der Politik vor allem an Schulen gesteuert werden. Volle Zustimmung zu diesem Punkt. Das deckt sich aber mit meiner Aussage, denn was an Schulen angeschafft (und damit gelehrt) wird, ist unmittelbar mit öffentlichen Geldern finanziert und damit hat "die Politik" sehr wohl das Recht und auch die Pflicht sich hier mit den Konsequenzen der Produktwahl auseinander zu setzen. Grundsätzlich finde ich eigentlich jedes "kreative Geschäftsmodell", das von Firmen an Schulen umgesetzt wird sehr, sehr skeptisch. Bei der Wortwahl denke ich irgendwie sofort an Jamba. ;-) Ich hoffe, dass die Aussagen der Piraten auf einen schlechten Tag des Pressesprechers zurückzuführen sind, denn wenn die Piraten sich diese glitschige Politiker-Hülle zulegen ("wir dürfen ja niemanden verärgern") ist es schnell vorbei mit deren Glaubwürdigkeit... Gruß, Bernd -- Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann. Umgekehrt ist das wesentlich schwieriger. - Kurt Tucholsky _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)Hallo Bernd,
Am 22.03.2012 08:34, schrieb Bernd Wurst: > Wobei ich die Aussage gar nicht so schlimm finde, wenn man sie für sich > genommen betrachtet. Natürlich hat ein Hersteller proprietärer Software > (genauso wie Hardware) das Recht und die wirtschaftliche Pflicht um sein > Produkt ein Monopol aufzubauen (das ist immerhin sein Geschäftsmodell!). Der Staat hat nicht die Aufgabe sicherzustellen, dass ein Geschäftsmodell funktioniert. Das Geschäftsmodell eines Kartells beruht z. B. auf der Verknappung des Angebots. Trotzdem sind Kartelle verboten. Der Staat betreibt Ordnungspolitik, damit die Wirtschaft für ihre Kunden arbeitet und nicht gegen sie. In einer Marktwirtschaft gibt es außer der Vertragserfüllung keine "wirtschaftliche Pflicht". Ein Bäcker hat nicht die Pflicht, die Bevölkerung mit Brot zu versorgen, sondern darf seinen Laden jederzeit schließen. Genaugenommen hat natürlich kein Softwarehersteller ein Monopol. Nur die Markteintrittsschranken liegen sehr hoch. Statt "study and adapt to your needs" heißt es dann "start from scratch". > Wichtig ist doch nur, dass die Menschen diesen Umstand erkennen und sich > dann bewusst gegen Produkte solcher Hersteller entscheiden können. Wenn es keine Freie-Software-Lösung gibt, werden 99% der Menschen an sich denken und zur unfreien Software greifen. Wäre unfreie Software verboten, könnten theoretisch 100% der potentiellen Kunden zusammenarbeiten, um eine Freie-Software-Lösung zu erstellen. Gruß Thomas _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareHallo Bernd,
* Bernd Wurst <bernd@...> [2012-03-22 08:34:52 +0100]: > Am 22.03.2012 07:49, schrieb Matthias Kirschner: > > "Es ist das gute Recht, dass bei unfreier Software der Hersteller das > > Monopol besitzen darf, das eigene Produkt vor Manipulation zu > > schützen. [...] Es kann nicht das Ziel sein, unfreie Software komplett > > abzuschaffen, indem man politisch darauf Druck ausübt." > > > > In unseren Wahlprüfsteinen für die Saarland Wahl > > https://fsfe.org/news/2012/news-20120322-01.de.html erfahrt ihr, welche > > Partei das gesagt hat. Ich denke ihr werdet genauso verwundert sein wie > > ich es war > > Naja, schon die Wortwahl deutet auf jemanden hin der weiß von was er redet. > > Wobei ich die Aussage gar nicht so schlimm finde, wenn man sie für sich > genommen betrachtet. Natürlich hat ein Hersteller proprietärer Software > (genauso wie Hardware) das Recht und die wirtschaftliche Pflicht um sein > Produkt ein Monopol aufzubauen (das ist immerhin sein Geschäftsmodell!). Gut, dass Du die Frage aufwirfst. Wir hatten das gestern noch im Büro lange diskutiert. Hat ein Unternehmen das Recht? Hat es auch das Recht, Daten von Bürgern zu sammeln und ihre Privatsphäre zu verleten um wirtschaftlich Erfolg zu haben? Haben Unternehmen das Recht ihre Produkte mit DRM so zu vertreiben, dass die Anwender keinerlei Kontrolle mehr darüber haben? Gestehen wir als Gesellschaft anderen ein Recht zu unsere Freiheit zu beschränken? Brauchen wir dann noch Kartellbehörden? Müssen wir andere Bereiche regulieren? Wir hätten die Telekom ja auch privatisieren können ohne alle möglichen Regeln und es dem "Markt" überlassen können. Ich bin dafür, dass Unternehmen viel Geld mit guter Software verdienen können, ich denke, dass wir in Deutschland in vielen Bereichen zu viel und zu komplizierte Regulierung haben. Aber warum haben wir im Softwarebereich eigentlich fast keine? In anderen Bereichen haben Leute dann auch immer gleich "Enteignung" geschriehen. Wie bereits gefragt: was ist gut für unsere Gesellschaft? Wenn darüber nach der PR ein paar mehr Menschen nachdenken, dann hat sie das Ziel erfüllt. Nochmal aus dem Grundsatzprogramm https://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Freie_Software In unserer modernen Informations- und Kommunikationsgesellschaft ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, dass alle Bürger jederzeit die volle Kontrolle über ihre Informationsverarbeitung und Kommunikation erlangen können, sofern sie dies wünschen. Wie ist das mit unfreier Software möglich? Und warum sagt die Piratenpartei, dass es kein Ziel sein kann politisch Druck aufzubauen? Diese sogenannte Freie Software garantiert ihren Nutzerinnen alle wesentlichen Freiheiten, die notwendig sind, um die Kontrolle über ihre technischen Systeme selbst zu übernehmen und diese gegebenenfalls kollektiv und demokratisch weiter zu entwickeln. Dies leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung von Autonomie und Privatsphäre aller Nutzer. Aber politischen Druck ausüben um das durchzusetzen wollen die Piraten im Saarland nicht? Diese Freiheit aller Bürgerinnen soll verhindern, dass die Macht über Systeme und Daten in den Händen Einzelner konzentriert wird. Sie versucht diese so breit wie möglich auf alle Bürger zu verteilen und so ihre Freiheit und Privatsphäre zu sichern. Mal etwas mit der Verknüpfung aus dem Grundsatzprogramm und der Antwort gespielt: "Es ist das gute Recht, dass Software-Hersteller die Privatshäre verletzen dürfen. [...] Es kann nicht das Ziel sein, das zu ändern, indem man politisch darauf Druck ausübt." Vielleicht war die Pressemitteilung etwas hart und diese Formulierungen sind primär auf Wahlkampfstress zurückzuführen. Aber wer sich als _DIE_ Partei für Freie Software bezeichnet, sollte über die Fragen oben kritischer nachdenken (was viele Mitglieder auf Bundes- und Landesbene der Partei ja auch machen und was man an dem Grundsatzprogramm auch sieht!). Viele Grüße Matthias -- Matthias Kirschner - FSFE - Deutschland- und Fellowshipkoordinator FSFE, Linienstr. 141, 10115 Berlin, t +49-30-27595290 +49-1577-1780003 Ist Ihnen Freie Software wichtig? Treten Sie heute bei! (fsfe.org/join) Weblog (blogs.fsfe.org/mk) - Kontakt (fsfe.org/about/kirschner) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)Hallo.
Am 22.03.2012 12:27, schrieb Thomas Leske: > Der Staat hat nicht die Aufgabe sicherzustellen, dass ein > Geschäftsmodell funktioniert. Wir leben in einer Marktwirtschaft. Dass der Staat aktiv ein Geschäftsmodell am Leben hält ist eigentlich die Ausnahme. Die Aufgabe des Staates ist es, die Praktiken zu unterbinden die in besonderem Maße schädlich für die Gesellschaft sind. Und so lange niemand gezwungen wird, bestimmte Produkte einzusetzen sehe ich da nicht die erforderlichen Gründe für ein Verbot. > In einer Marktwirtschaft gibt es außer der Vertragserfüllung keine > "wirtschaftliche Pflicht". Ein Bäcker hat nicht die Pflicht, die > Bevölkerung mit Brot zu versorgen, sondern darf seinen Laden jederzeit > schließen. Ein Unternehmen (spätestens als Aktiengesellschaft) hat eine Verantwortung seinen Eigentümern gegenüber. Und die wirtschaftliche Pflicht besteht darin mit möglichst geringem Einsatz möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Das hat überhaupt nichts mit staatlich auferlegten Pflichten zu tun sondern macht nur deutlich dass es ganz klar diese Bestrebung gibt und (in einer Marktwirtschaft) immer geben wird. Wie gesagt: Ob man das jetzt für sich gut findet oder ob man diese Unternehmen unterstützt, steht auf einem ganz anderen Blatt. > Genaugenommen hat natürlich kein Softwarehersteller ein Monopol. Nur die > Markteintrittsschranken liegen sehr hoch. Statt "study and adapt to your > needs" heißt es dann "start from scratch". Genau. Aber das ist keine Besonderheit der Software-Sparte und funktioniert doch in den meisten Wirtschaftsbereichen so. Willst du ein Wörterbuch schreiben? Dann musst du vermutlich bei Null anfangen weil du nicht auf dem Duden aufbauen darfst. Der Vorteil bei Software gegenüber z.B. dem Maschinenbau ist doch, dass du an die elementaren Grundlagen (Programmierkenntnisse) frei herankommen kannst und die benötigten Geräte einen überschaubaren Preis kosten. Es sind eine große Zahl von Compilern, Programmierumgebungen und auch fertige Software-Biliotheken frei verfügbar. Es kann dich niemand effektiv daran hindern eine freie Alternative zu jedem gewünschten Stück Software zu schreiben. (Patente mal außen vor gelassen.) >> Wichtig ist doch nur, dass die Menschen diesen Umstand erkennen und sich >> dann bewusst gegen Produkte solcher Hersteller entscheiden können. > > Wenn es keine Freie-Software-Lösung gibt, werden 99% der Menschen an > sich denken und zur unfreien Software greifen. Wäre unfreie Software > verboten, könnten theoretisch 100% der potentiellen Kunden > zusammenarbeiten, um eine Freie-Software-Lösung zu erstellen. Gut, ein staatliches Verbot unfreier Software geht für meine Überzeugung zu sehr in den Bereich "unrealistischer Kommunismus". Es wäre doch schon viel gewonnen wenn die Gelder aller öffentlichen Haushalte die jährlich für z.B. MS-Office ausgegeben werden in fähige LibreOffice-Entwickler investiert würden. Warum kann es Hersteller geben, die nur proprietäre Amts-Software erstellen? Warum verlangt der Staat nicht, dass diese Software freigegeben wird? Warum kann es sein, dass die Bundesfinanzverwaltung eine öffentliche Programmier-Schnittstelle anbietet, die aus Prinzip nicht mit freier Software zusammenarbeiten kann? Dazu braucht es wirklich kein Verbot sondern nur eine konsequente Gangart der Politik bzw. eine Dienstanweisung. Mir sind die Ausgaben die die öffentlichen Haushalte tätigen sehr wichtig, staatliche Regulierung des Marktes halte ich aber für den falschen Weg. Ich fand das Verfahren EU gegen Microsoft eigentlich auch herzlich peinlich unter der Sichtweise dass vermutlich über 90% der EU-Parlamentarier damals mit genau dem beanstandeten Produkt (Internet-Explorer) gearbeitet haben. Gruß, Bernd -- Skeptiker sind jene Menschen, die einfach nicht an die friedliche Nutzung der Atombombe glauben wollen. - Werner Mitsch (dt. Aphoristiker) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareHallo zusammen, > Vielleicht war die Pressemitteilung etwas hart und diese Formulierungen > sind primär auf Wahlkampfstress zurückzuführen. Aber wer sich als _DIE_ > Partei für Freie Software bezeichnet, sollte über die Fragen oben > kritischer nachdenken (was viele Mitglieder auf Bundes- und Landesbene > der Partei ja auch machen und was man an dem Grundsatzprogramm auch > sieht!). Das habe ich mir ehrlich gesagt auch gedacht, als ich die Pressemitteilung und die Aussagen der Parteien und insbesondere der Piratenpartei miteinander verglichen haben. Meiner Meinung/Interpretation nach sagen sie an mehrere Stellen sehr deutlich, dass sie in der öffentlichen Verwaltung und den Schulen -also da, wo Politik unmittelbar Einfluss nehmen kann und wo die Effekte auch nachhaltig wären- den Einsatz freier Software nicht nur fördern wollen, sondern als notwendig erachten. Mir fehlen hier lediglich die Hochschulen, denn dort läuft wirklich einiges auf einer Einbahnstraße Richtung unfreier Software. Was Herstellermonopol, Grundlagen statt Produktschulungen etc. angeht empfinde ich die Aussage "Es geht hier mehr um Überzeugungsarbeit aus Richtung der Politik, die Entscheidung darüber müssen die Verantwortlichen dann selbst treffen." in dem Zusammenhang sogar als richtig. (Auch, wenn ich mich damit hier erstmal so richtig in die Nesseln setze...) Ich würde das mal überspitzt als "Einmischung in innere Angelegenheiten von Seiten der Politik" bezeichnen, die an anderen Stellen ja genau kritisiert wird... Vieles würde sich meiner Einschätzung nach für freie Software und offene Standards in Unternehmen und auch als Unternehmensphilosopie alleine dadurch ergeben, _wenn_ im Öffentlichen Bereich freie Software und offene Standards konsequent ein- und umgesetzt würden. Wenn z.B. in der Kommunikation mit Ministerien und anderen Behörden eben nicht .xls und .doc verlangt werden, sondern .ods und .odt, ist auch eine Firma oder der kleine Kindergarten vor Ort, bei dem sich die Leitung nicht auch noch mit Konvertierungsproblemen von Dokumenten herumschlagen will, (eher) bereit, freie Software einzusetzen. Birgit _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareHallo Matthias.
Am 22.03.2012 12:34, schrieb Matthias Kirschner: > Hat ein Unternehmen das Recht? Hat es auch das Recht, Daten von Bürgern > zu sammeln und ihre Privatsphäre zu verleten um wirtschaftlich Erfolg zu > haben? Haben Unternehmen das Recht ihre Produkte mit DRM so zu > vertreiben, dass die Anwender keinerlei Kontrolle mehr darüber haben? So lange es Transparenz und Alternativen gibt sehe ich da kein Problem. Vielleicht sehe ich das etwas naiv, aber ich sehe die Anforderung an die Politik darin, in diesem Fällen Transparenz sicherzustellen, nicht die Firmen an dem zu hindern was sie tun. Wenn sich Leute bewusst entscheiden, dass sie den Verlauf Ihres Lebens zukünftig bei Facebook dokumentieren wollen, dann sollen sie das tun, das stört mich nicht. Was mich stört ist, dass öffentlich-rechtliche Medien massiv Werbung für Facebook machen und dass es Hochschulen gibt die Studenten Vorteile einräumen wenn sie bei einem solchen Anbieter angemeldet sind (z.B. zusätzliche, dort verbreitete Materialien). Genauso bei Payback oder ähnlichen Modellen: So lange mich keiner nötigt dort mit zu machen stört es mich auch nicht. > Wir hätten die Telekom ja auch privatisieren können > ohne alle möglichen Regeln und es dem "Markt" überlassen können. Hätte man probieren können. ;-) Bei Mobiltelefon und Internet-Zugang hat das eigentlich erstaunlich gut funktioniert, da sind Mitbewerber durchaus konkurrenzfähig und bringen die Telekom dazu sich selbst was einfallen zu lassen. Nein, im Ernst, ich finde zur Transparenz gehört auch Kommunikation. Und wenn Kommunikation als hoheitliche Aufgabe gesehen würde hätte ich da gar nichts dagegen. > Aber warum haben wir im Softwarebereich eigentlich fast keine? [Regulierungen] Meine ehrliche Meinung: Weil es in der Praxis leider zu wenig Komplikationen gibt. Die berechtigte Kritik an proprietärer Software ist langfristiger Natur. Der Leidensdruck am Status quo was zu ändern ist bei zu vielen Leute nicht gegeben, "es funktioniert doch". Dass sich z.B. alte Dokumente nur noch mit Einschränkungen öffnen lassen wird als gegeben akzeptiert und nicht in Frage gestellt. Wobei ich hier bei allem Engagement für Freie Software vielleicht nicht auf der selben Linie bin wie viele andere hier. Ich finde offene und Freie Standards ungleich wichtiger als Freie Software. Sobald zweifellos und herstellerunabhängig definiert ist wie eine Software sich gegenüber anderen Software-Komponenten zu verhalten hat, würde ich das schon sehr begrüßen. Zur Wahlfreiheit der Anwender gehört dann auch, sich zwischen freier und unfreier Software zu entscheiden. Gruß, Bernd -- Selbst ein Trabi mit 26 PS hat mehr Power als die SPD. - Renate Künast (Berliner Grüne) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)Hi Bernd,
* Bernd Wurst <bernd@...> [2012-03-22 13:59:16 +0100]: > Wir leben in einer Marktwirtschaft. Dass der Staat aktiv ein > Geschäftsmodell am Leben hält ist eigentlich die Ausnahme. Aber es sind nicht gerade geringe Aufwendungen, die in z.B. in Kohleabbau, oder Agrarwirtschaft fließen. Ich will keine Diskussion darüber anfangen, ob das gut oder schlecht ist. Aber ich finde es unehrlich wenn in manchen Politikbereichen stark in den Markt eingegriffen wird und die gleichen Parteien dann bei Software sagen, dass man kategorisch nicht eingreifen darf/kann. > Gut, ein staatliches Verbot unfreier Software geht für meine Überzeugung > zu sehr in den Bereich "unrealistischer Kommunismus". Die Anforderung an Software, dass diese für jeden Zweck verwendet, verstanden, verbreitet und verbessert werden darf könnte aber auch eine sehr liberale Regulierung sein, die langfristig sehr wenig Eingriff in den Markt erforderlich macht. Aber ja, ich stimme Dir zu, dass ein staatliches Verbot eine harte Maßnahme wäre, die meisten Menschen die Notwendigkeit dafür (noch?) nicht sehen, und es weichere Steuerungsinstrumente gibt um das gleiche Ziel zu erreichen. > Dazu braucht es wirklich kein Verbot sondern nur eine konsequente > Gangart der Politik bzw. eine Dienstanweisung. Mir sind die Ausgaben die > die öffentlichen Haushalte tätigen sehr wichtig, staatliche Regulierung > des Marktes halte ich aber für den falschen Weg. Nochmal kurz hierzu: Wir haben staatliche Regulierung in vielen Bereichen. Ganz ohne Regulierung wird es meiner Ansicht nach auch nie gehen. Es geht darum besser zu Regulieren (Better Regulation). Selbst das Urheberrecht reguliert ja den Markt, weil es Monopole gewährt. > Ich fand das Verfahren EU gegen Microsoft eigentlich auch herzlich > peinlich unter der Sichtweise dass vermutlich über 90% der > EU-Parlamentarier damals mit genau dem beanstandeten Produkt > (Internet-Explorer) gearbeitet haben. Ja, ich würde mir auch mehr Taten zu den Worten wünschen. Viele Grüße Matthias -- Matthias Kirschner - FSFE - Deutschland- und Fellowshipkoordinator FSFE, Linienstr. 141, 10115 Berlin, t +49-30-27595290 +49-1577-1780003 Ist Ihnen Freie Software wichtig? Treten Sie heute bei! (fsfe.org/join) Weblog (blogs.fsfe.org/mk) - Kontakt (fsfe.org/about/kirschner) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareHallo Matthias,
On Thu, 22 Mar 2012 07:49:08 +0100 Matthias Kirschner <mk@...> wrote: > "Es ist das gute Recht, dass bei unfreier Software der Hersteller das > Monopol besitzen darf, das eigene Produkt vor Manipulation zu > schützen. [...] Es kann nicht das Ziel sein, unfreie Software komplett > abzuschaffen, indem man politisch darauf Druck ausübt." Das ist in der Tat ein Hammer. Nun wird ja so getan, als hättest Du wahllos aus dem Zusammenhang gerissen. Ich denke eher, Du hast nur an der Spitze des Eisberges gekratzt. Die Aussagen zu den Fragen 1b) und 4b) finde ich tatsächlich noch unglaublicher. 1.b. Planen Sie, gezielt kleine und mittelständische Freie-Software-Unternehmen zu fördern; und wenn ja, wie? "Aktiv sehen wir in der Privatwirtschaft nicht den primären Handlungsbedarf, in die geschäftlichen Praktiken von Unternehmen Einfluss zu nehmen. Unternehmen müssen in gesunder Konkurrenz zueinander stehen. Die Geschäftsmodelle gibt es und durch Innovation können diese auch mit anderen Software- Unternehmen konkurrieren. Eine politische Einflussnahme hätte Subventionscharakter. ... Eine politische Einmischung an dieser Stelle könnte fatale Folgen haben." Zunächst habe ich das Gefühl, dass die Frage nicht verstanden wurde. Es geht ja nicht um innere Einmischung, sondern um Förderung - z. B. bei der Vergabe von Aufträgen. Die Förderung freier Software steht immerhin im Parteiprogramm. Und kein Handlungsbedarf auf geschäftliche Praktiken Einfluss zu nehmen? Mal weg vom Freie-Software-Thema: Weg mit Lebensmittekontrollen in der Gastronomie, denn diese nehmen ohne Frage Einfluss auf Geschäftspraktiken. Ob Textilhersteller in Entwicklungsländern Kinder arbeiten lassen hat die Politik auch nicht zu interessieren. Ja, sämtliche Aufsichtsbehörden können wir einsparen. Da haben die Piraten ja ein riesiges Sparpotenzial entdeckt (vorsicht, Ironie). 4.b. Plant ihre Partei herstellerunabhängige Grundlagenschulung statt Produktschulung fördern? "Die Idee klingt gut, sollte aber nicht von einer politischen Partei gesteuert werden. Hier sind eher wieder die Unternehmen gefragt, die kreativ ihr Geschäftsmodell umsetzen möchten. Die Piratenpartei Saarland würde solche Innovationen unterstützen. Es geht hier mehr um Überzeugungsarbeit aus Richtung der Politik, die Entscheidung darüber müssen die Verantwortlichen dann selbst treffen." Sorry, aber jetzt hakt es wohl ganz aus. Bildung sollte nicht aus der Politik heraus gesteuert werden, sondern von Unternehmen? So einen unglaublichen Blödsinn erwartet man ja noch nicht mal von Hardcore-Neoliberalen. Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob die Piraten im Saarland von der FDP, der BITKOM oder ganz einfach von Verrückten unterwandert worden sind. Gerüchteweise sind zwei der Kandidaten bei SAP. Aber selbst das erklärt nicht diese nicht nur unsäglichen sondern auch unglaublich inkompetenten Aussagen. _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)Hallo Matthias.
Am 22.03.2012 14:57, schrieb Matthias Kirschner: > Aber es sind nicht gerade geringe Aufwendungen, die in z.B. in > Kohleabbau, oder Agrarwirtschaft fließen. Genau diese beiden Wirtschaftszweige sind mir beim Schreiben auch im Kopf gewesen. Ich halte das dennoch für die Ausnahme. Eine finanziell beachtliche Ausnahme natürlich für die sich jeweils beliebig glaubwürdige und unglaubwürdige Argumente finden lassen. > Die Anforderung an Software, dass diese für jeden Zweck verwendet, > verstanden, verbreitet und verbessert werden darf könnte aber auch eine > sehr liberale Regulierung sein, die langfristig sehr wenig Eingriff in > den Markt erforderlich macht. Es würde bei entsprechender Verfügbarkeit von freier Software aber ebenfalls kein Verbot brauchen. Wie du selbst schreibst: Das sind Anforderungen. Diese Anforderungen sollten schlicht und einfach bei jeder Software-Beschaffung vom Kunden angesetzt werden. Ich wiederhole mich: Wenn die öffentlichen IT-Ausgaben für Software konsequent in die Schaffung und Verbesserung freier Software fließen würden, dann hätten wir recht schnell ein Ökosystem von Unmengen freier Software, so dass unfreie Software in vielen Bereichen einfach nicht mehr nötig wäre. Wenn zusätzlich in Schulen konsequent Produktschulung vermieden würde, dann hätten wir auch die Anwender die die Gängelung nicht gewohnt sind und ihre Rechte als Wert anerkennen. > Nochmal kurz hierzu: Wir haben staatliche Regulierung in vielen > Bereichen. Ganz ohne Regulierung wird es meiner Ansicht nach auch nie > gehen. Es geht darum besser zu Regulieren (Better Regulation). Selbst > das Urheberrecht reguliert ja den Markt, weil es Monopole gewährt. Hier ist es wichtig, den Unterschied zwischen Urheberrecht und Patent hervorzuheben. Ein spezielles Produkt, das ein Autor geschaffen hat, darf dieser Autor so veröffentlichen und verbreiten wie er möchte. Das ist mein Verständnis von Freiheit. Möchte der Autor nicht, dass sein Werk von anderen verändert und weiterverbreitet wird, dann ist das zu respektieren. Das Urheberrecht sehe ich eigentlich nicht als Instrument zur Schaffung von Monopolen sondern es ermöglicht lediglich die wunschgemäße Verwertung immaterieller Güter (die technisch ohne nennenswerten Aufwand vervielfältigt werden könnten). Ohne Urheberrecht gäbe es ja auch keine GPL. Bei der Durchsetzung von Patenten wird dagegen konsequent verhindert dass jemand etwas gleichartiges und damit gleichwertiges produziert, selbst wenn er das vollständig mit eigenen Mitteln macht. Das finde ich im Gegensatz zum Urheberrecht sehr bedenklich, denn hier wird in der Tat alle Konkurrenz künstlich erschwert oder verhindert. Wenn jemand etwas macht was jemand Fremdes in kürzester Zeit nachbauen kann, war es vielleicht gar nicht so schützenswert... :) Gruß, Bernd -- Es ist schwieriger eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern, als ein Atom. - Albert Einstein _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)Hallo Bernd,
* Bernd Wurst <bernd@...> [2012-03-22 15:54:31 +0100]: > Ich wiederhole mich: Wenn die öffentlichen IT-Ausgaben für Software > konsequent in die Schaffung und Verbesserung freier Software fließen > würden, dann hätten wir recht schnell ein Ökosystem von Unmengen freier > Software, so dass unfreie Software in vielen Bereichen einfach nicht > mehr nötig wäre. Wenn zusätzlich in Schulen konsequent Produktschulung > vermieden würde, dann hätten wir auch die Anwender die die Gängelung > nicht gewohnt sind und ihre Rechte als Wert anerkennen. Da stimme ich Dir zu. > > Nochmal kurz hierzu: Wir haben staatliche Regulierung in vielen > > Bereichen. Ganz ohne Regulierung wird es meiner Ansicht nach auch nie > > gehen. Es geht darum besser zu Regulieren (Better Regulation). Selbst > > das Urheberrecht reguliert ja den Markt, weil es Monopole gewährt. > > Hier ist es wichtig, den Unterschied zwischen Urheberrecht und Patent > hervorzuheben. Ein spezielles Produkt, das ein Autor geschaffen hat, > darf dieser Autor so veröffentlichen und verbreiten wie er möchte. Das > ist mein Verständnis von Freiheit. Möchte der Autor nicht, dass sein > Werk von anderen verändert und weiterverbreitet wird, dann ist das zu > respektieren. Es wurde aber von manchen Gesellschaften nicht akzeptiert und ich verstehe ich Gründe dafür. Z.B. aus Lawrence Lessig "Freie Kultur", als die USA das Copyright der britischen Krone missachtet haben um eine besser Bildung zu erreichen. Wenn jemand ein Information veröffentlichen würde, welche viele Menschenleben retten kann, aber der Autor will nicht, dass es verbreitet wird, dann würde ich das nicht respektieren und sein Werk trotzdem verbreiten. Warum sollten wir als Gesellschaft etwas fördern, was uns auch auf lange Frist schadet? > Das Urheberrecht sehe ich eigentlich nicht als Instrument zur Schaffung > von Monopolen sondern es ermöglicht lediglich die wunschgemäße > Verwertung immaterieller Güter (die technisch ohne nennenswerten Aufwand > vervielfältigt werden könnten). Ohne Urheberrecht gäbe es ja auch keine GPL. Ich habe mich hier wohl unklar ausgedrückt. Das Urheberrecht gewährt Dir ein zeitlich begrenztes Monopol (die Dauer dieses Monopols halte ich persönlich mittlerweile für zu lange). Diese Instrumente wurden geschaffen, weil darin ein Nutzen für _die Gesellschaft_ gesehen wurde. Klar bin ich für ein Urheberrecht, gerade weil dadurch die GNU GPL funktioniert und weil ohne ein Urheberrecht Freie Software gegenüber unfreier Software benachteiligt wäre. > Bei der Durchsetzung von Patenten wird dagegen konsequent verhindert > dass jemand etwas gleichartiges und damit gleichwertiges produziert, > selbst wenn er das vollständig mit eigenen Mitteln macht. > > Das finde ich im Gegensatz zum Urheberrecht sehr bedenklich, denn hier > wird in der Tat alle Konkurrenz künstlich erschwert oder verhindert. > Wenn jemand etwas macht was jemand Fremdes in kürzester Zeit nachbauen > kann, war es vielleicht gar nicht so schützenswert... :) Da sind wir eh auf einer Linie :) Patente bei Software machen überhaupt keinen Sinn. Jeder, der für Software-Patente ist, muss zeigen, warum das positive Auswirkungen für die Gesellschaft hat, wenn man so stark reguliert. Wir vergeben schon Monopole für Software durch das Urheberrecht, viele Unternehmen halten die Funktion durch Verbreitung in Binärform noch geheim, warum benötigen wir hier noch mehr Eingriff durch Patente? Viele Grüße Matthias -- Matthias Kirschner - FSFE - Deutschland- und Fellowshipkoordinator FSFE, Linienstr. 141, 10115 Berlin, t +49-30-27595290 +49-1577-1780003 Ist Ihnen Freie Software wichtig? Treten Sie heute bei! (fsfe.org/join) Weblog (blogs.fsfe.org/mk) - Kontakt (fsfe.org/about/kirschner) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier SoftwareHallo Henry,
* Henry Jensen <hjensen@...> [2012-03-22 15:40:44 +0100]: > Das ist in der Tat ein Hammer. Nun wird ja so getan, als hättest Du > wahllos aus dem Zusammenhang gerissen. Ich denke eher, Du hast nur an > der Spitze des Eisberges gekratzt. Ich war auch der Ansicht, dass wir hier nur einen Aspekt rausgepickt haben. Olaf, der unsere erste Analyse zur Auswertung geschrieben hatte, hatte wie Du viel mehr zu beanstanden (waren auch Deine Punkte, wobei Du es an manchen Stellen nochmal gut auf den Punkt gebracht hast). Das konnten wir aber nicht alles in die Pressemitteilung machen. Immerhin wollten wir die anderen Parteien ja auch bewerten. > Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob die Piraten im Saarland von der FDP, > der BITKOM oder ganz einfach von Verrückten unterwandert worden sind. > Gerüchteweise sind zwei der Kandidaten bei SAP. Aber selbst das > erklärt nicht diese nicht nur unsäglichen sondern auch unglaublich > inkompetenten Aussagen. Ja, zwei aus dem Vorstand sind soweit ich das gesehen habe bei der SAP. http://www.pfaelzischer-merkur.de/sz-berichte/saarland/Saarland-Piraten-bestaetigen- ihre-Fuehrung;art2814,3995505,0 Allerdings arbeiten ja sehr viele Leute dort. Natürlich kann es sein, dass man eine bestimmte Denkweise nur schwer losbekommt, wenn man dort mehrere Jahre arbeitet. Ich habe mittlerweile mehr das Gefühl, dass die Antworten daraus resultieren, dass sich die Saarländer Piratenpartei nicht so sehr mit dem Thema beschäftigt haben und mit ihrem ersten Wahlkampf dort sehr überlastet waren. Ich werde mal versuchen, dass ich mich nach der Wahl mit ihnen in aller Ruhe zusammensetze. Dann können wir ein paar Punkte besprechen und wir können unsere Bedenken dazu anbringen. Viele Grüße Matthias -- Matthias Kirschner - FSFE - Deutschland- und Fellowshipkoordinator FSFE, Linienstr. 141, 10115 Berlin, t +49-30-27595290 +49-1577-1780003 Ist Ihnen Freie Software wichtig? Treten Sie heute bei! (fsfe.org/join) Weblog (blogs.fsfe.org/mk) - Kontakt (fsfe.org/about/kirschner) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)Hallo.
Am 22.03.2012 16:23, schrieb Matthias Kirschner: > Wenn jemand ein Information veröffentlichen würde, welche viele > Menschenleben retten kann, aber der Autor will nicht, dass es verbreitet > wird, dann würde ich das nicht respektieren und sein Werk trotzdem > verbreiten. Das ist nicht hypothetisch. Die Pharmaindustrie verdient gutes Geld mit lebensrettendem Wissen, also letztendlich mit etwas das durch das Urheberrecht geschützt ist. (Auch wenn in der konkreten Ausgestaltung auch dort eher die Patente der Skandal sind.) Und unter anderem unsere Regierung setzt sich bei Zeiten wehement dafür ein dass das so bleibt. Den richtig großen Aufschrei dagegen gab es in der Gesellschaft aber trotzdem nicht. > Warum sollten wir als Gesellschaft etwas fördern, was uns auch auf lange > Frist schadet? Das frage ich mich bei so vielem. ;-) > Ich habe mich hier wohl unklar ausgedrückt. Das Urheberrecht gewährt Dir > ein zeitlich begrenztes Monopol (die Dauer dieses Monopols halte ich > persönlich mittlerweile für zu lange). Diese Instrumente wurden > geschaffen, weil darin ein Nutzen für _die Gesellschaft_ gesehen wurde. Nun, ich war nicht dabei als das geschaffen wurde, aber ich nehme schon an, dass der Nutzen für die Gesellschaft indirekt gesehen wird. Verkürzt ausgedrückt: Wenn man damit Geld verdienen kann, kommt das der Steuerkasse und damit allen zugute. Dass diese Zeitspanne für die heutige Zeit zu lange ist steht auch außer Frage, es traut sich aber vermutlich in absehbarer Zeit niemand an das Thema heran. :) Gruß, Bernd -- Nehmen wir einmal an, es gäbe keine hypothetischen Situationen... _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)On Thursday 22 March 2012 16:51:43 Bernd Wurst wrote:
> Das ist nicht hypothetisch. Die Pharmaindustrie verdient gutes Geld mit > lebensrettendem Wissen, also letztendlich mit etwas das durch das > Urheberrecht geschützt ist. (Auch wenn in der konkreten Ausgestaltung > auch dort eher die Patente der Skandal sind.) > Und unter anderem unsere Regierung setzt sich bei Zeiten wehement dafür > ein dass das so bleibt. Den richtig großen Aufschrei dagegen gab es in > der Gesellschaft aber trotzdem nicht. Es ist einer der nicht wenigen Gründe, weshalb die Menschen gegen ACTA auf die Straße gehen. Im Gesamten sind diese Demonstrationen einfach Protest gegen das Patentsystem, wo die Pharmaindustrie natürlich ein blendendes Beispiel ist, wie gesellschaftsschädlich Patente doch sind. Mfg, Marvin Cohrs _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Schutz von Geschäftsmodellen (war: Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software)Hallo Bernd,
Am 22.03.2012 13:59, schrieb Bernd Wurst: > Am 22.03.2012 12:27, schrieb Thomas Leske: >> Der Staat hat nicht die Aufgabe sicherzustellen, dass ein >> Geschäftsmodell funktioniert. > > Wir leben in einer Marktwirtschaft. Dass der Staat aktiv ein > Geschäftsmodell am Leben hält ist eigentlich die Ausnahme. Vielleicht hast du wegen meiner Überschrift das Wörtchen "nicht" überlesen. Ich bin *gegen* den Schutz Geschäftsmodellen. (Freie Software ist für sich genommen noch kein Geschäftsmodell.) Der Staat setzt einen Ordnungsrahmen für die Marktwirtschaft. Er legt z. B. fest, dass für Produkte eine zweijährige Gewährleistungsfrist gilt. Darin erkenne ich keine staatliche Bevormundung, weil ich als Käufer im Laden schlecht ein Gerät zerlegen kann, um nachzusehen, ob dort minderwertige Kondensatoren verbaut sind. Eine andere Vorschrift besagt, dass ein Käufer Anspruch auf eine Bedienungsanleitung hat. Das ist auch sinnvoll, weil der Hersteller einem sonst später weiß machen würde, seine Bugs wären Features. Wenn zu Software ebenfalls zwingend der Quelltext angeboten werden müsste, wäre das eine Vorschrift im selben Geist. > Die Aufgabe > des Staates ist es, die Praktiken zu unterbinden die in besonderem Maße > schädlich für die Gesellschaft sind. > Und so lange niemand gezwungen wird, bestimmte Produkte einzusetzen sehe > ich da nicht die erforderlichen Gründe für ein Verbot. Unfreie Software ist vor allem für die Gesellschaft schädlich und weniger für den einzelnen Käufer. Ein Nutzer freier Software ändert nur den geringsten Teil seiner verwendeten Software. Seine persönliche kurzfristige Freiheit wäre also kaum eingeschränkt, wenn er das meiste davon durch unfreie Gratis-Software ersetzen würde. > Ein Unternehmen (spätestens als Aktiengesellschaft) hat eine > Verantwortung seinen Eigentümern gegenüber. Und die wirtschaftliche > Pflicht besteht darin mit möglichst geringem Einsatz möglichst hohen > Gewinn zu erzielen. > > Das hat überhaupt nichts mit staatlich auferlegten Pflichten zu tun > sondern macht nur deutlich dass es ganz klar diese Bestrebung gibt und > (in einer Marktwirtschaft) immer geben wird. Natürlich darf jedes Unternehmen mit freier Software soviel Geld verdienen, wie es kann. >> Genaugenommen hat natürlich kein Softwarehersteller ein Monopol. Nur die >> Markteintrittsschranken liegen sehr hoch. Statt "study and adapt to your >> needs" heißt es dann "start from scratch". > > Genau. Aber das ist keine Besonderheit der Software-Sparte und > funktioniert doch in den meisten Wirtschaftsbereichen so. Willst du ein > Wörterbuch schreiben? Dann musst du vermutlich bei Null anfangen weil du > nicht auf dem Duden aufbauen darfst. Ein Autobastler muss beim Tuning aber nicht bei Null anfangen sondern braucht nur einzelne Bauteile ersetzen. Das GNU-Projekt wäre vielleicht sogar gescheitert, wenn es nicht die Kommandozeilenprogramme von Unix eines nach dem anderen, hätte ersetzen können. > Der Vorteil bei Software gegenüber z.B. dem Maschinenbau ist doch, dass > du an die elementaren Grundlagen (Programmierkenntnisse) frei > herankommen kannst und die benötigten Geräte einen überschaubaren Preis > kosten. Es sind eine große Zahl von Compilern, Programmierumgebungen und > auch fertige Software-Biliotheken frei verfügbar. Es kann dich niemand > effektiv daran hindern eine freie Alternative zu jedem gewünschten Stück > Software zu schreiben. Im Maschinenbau ist dafür das Reverseengineering viel einfacher. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dort Firmen mit einem Marktanteil vergleichbar zu Apple oder Microsoft gibt; oder ein Anbieter ein vergleichbares Märchen auftischt, wie das der Integration des Browsers in das Betriebssystem. > Gut, ein staatliches Verbot unfreier Software geht für meine Überzeugung > zu sehr in den Bereich "unrealistischer Kommunismus". Kommunismus bedeutet, dass der Staat Zwang auf alle Menschen ausübt. Ein Rechtsstaat nutzt sein Gewaltmonopol nur um zu verhindern, dass ein Mensch Zwang auf einen anderen ausübt. Gruß Thomas _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Argument: "Nicht in den Markt eingreifen"Ach ja, hier nochmal zum Argument "nicht in den Markt eingreifen":
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bundesregierung-will-eine-kluge-Regulierung-fuer-das-Internet-1477203.html Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat sich für eine "kluge Regulierung" im Internet mit einem klaren Rechtsrahmen für Urheberschutz und Datenschutz ausgesprochen. Nur so könnten die sich im Netz bietenden wirtschaftlichen Wachstumspotenziale genutzt werden, so Rösler am Mittwoch in Berlin. "Auch ein freies Internet braucht ein Mindestmaß an Regulierung", sagte der Vizekanzler vor rund 1000 Teilnehmern einer Tagung des Wirtschaftsrates der CDU. "Netzpolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik." Viele Grüße Matthias -- Matthias Kirschner - FSFE - Deutschland- und Fellowshipkoordinator FSFE, Linienstr. 141, 10115 Berlin, t +49-30-27595290 +49-1577-1780003 Ist Ihnen Freie Software wichtig? Treten Sie heute bei! (fsfe.org/join) Weblog (blogs.fsfe.org/mk) - Kontakt (fsfe.org/about/kirschner) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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Re: Quiz: Wer sagt was - Wahlprüfsteine zu Freier Software* Matthias Kirschner <mk@...> [2012-03-22 07:49:08 +0100]:
> "Es ist das gute Recht, dass bei unfreier Software der Hersteller das > Monopol besitzen darf, das eigene Produkt vor Manipulation zu > schützen. [...] Es kann nicht das Ziel sein, unfreie Software komplett > abzuschaffen, indem man politisch darauf Druck ausübt." > > In unseren Wahlprüfsteinen für die Saarland Wahl > https://fsfe.org/news/2012/news-20120322-01.de.html erfahrt ihr, welche > Partei das gesagt hat. Ich denke ihr werdet genauso verwundert sein wie > ich es war Ich bin auf Netzpolitik nochmal auf mehrere Kommentare dazu eingegangen: https://netzpolitik.org/2012/saarlandische-piraten-abhangigkeit-und-restriktive-lizenzen-sind-gutes-recht/ Viele Grüße Matthias -- Matthias Kirschner - FSFE - Deutschland- und Fellowshipkoordinator FSFE, Linienstr. 141, 10115 Berlin, t +49-30-27595290 +49-1577-1780003 Ist Ihnen Freie Software wichtig? Treten Sie heute bei! (fsfe.org/join) Weblog (blogs.fsfe.org/mk) - Kontakt (fsfe.org/about/kirschner) _______________________________________________ fsfe-de mailing list fsfe-de@... https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de |
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